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Aus der Reihe ziemlich gute Rabenmutter: Warum ich meinen Kindern Märchen vorlese.

Ich bezeichne mich ja immer ganz gerne als ziemlich gute Rabenmutter. Wusstet Ihr, dass das Wort Rabenmutter sogar im Duden steht? Wir assoziieren ja mit den Begriff ganz schlimme Mütter. Mütter die Ihre Kinder aussetzen, vernachlässigen, schlagen, etc. Der Rabe als solcher ist übrigens hoch intelligent und keineswegs grob im Umgang mit seinen Jungen (nur so am Rande). Mittlerweile reicht es aber aus, dass man sich als Rabenmutter fühlt, wenn man einfach gemütlich auf dem Sofa sitzend etwas durch die sozialen Medien surft, denn da wird einem suggeriert, dass eigentlich alles was man macht falsch ist. Es ist falsch Märchen in ihrer Originalform zu lesen, es ist auch falsch Leo Lausemaus zu lesen, weil der nicht genug geliebt wird, schließlich lassen seine Eltern Ihn bei den Großeltern als sie eine Reise gewinnen. Kind Nummer drei im Urlaub mal zwei Stunden betreuen zu lassen, weil die Großen auch Bedürfnisse haben die eben noch nicht kompatibel sind grenzt schon an Vernachlässigung und das Füttern mit Fertigbrei muss zwangsläufig schädlich sein. Eigentlich findet man zu allem mittlerweile eine bedürfnisorientierte Gegenvariante. Ich habe nichts gegen bedürfnisorientiert, im Gegenteil. Aber das was mir das manchmal als solches verkauft wird lässt mich wirklich erschaudern. Ich glaube wir Leben auch bedürfnisorientiert, allerdings haben bei uns alle Familienmitglieder das Recht, dass auf die eigenen Bedürfnisse Rücksicht genommen wird und das geht in einer Gruppe eben oft nur wenn Kompromisse geschlossen werden. Neben dem, was man sich so durchlesen kann (zum Glück kann ich da auch weiterscrollen) muss man sich ja mittlerweile auch im echten Leben gefühlt ständig rechtfertigen, denn auch hier kann man sich manchmal in einem sozialen Gefüge eben nicht komplett entziehen. Was mich aber am allermeisten stört und richtig wütend macht ist die Art und Weise wie kommuniziert wird. Es wird nicht einfach eine eigene Meinung dargestellt, nein es wird immer auch versucht zu erklären, warum das Agieren der anderen nicht richtig ist. Klar darf man Leo Lausemaus so grausig finden, dass man es den eigenen Kindern nicht vorlesen oder gar kaufen mag. Dass man die Geschichten aber soweit interpretieren muss, dass diese Interpretation sicherlich mit dem Umfang meines Deutschabiturs gleichzusetzen ist, dass verstehe ich nicht. Und dann frage ich mich: bin ich zu naiv wenn ich den Kindern Bücher vorlese, über die ich im Vorfeld keine Abhandlung gelesen oder am besten selbst verfasst habe? Können meine Kinder bleibende Schäden davontragen, wenn ich gar ein Buch kaufe und mit ihnen lese ohne den Inhalt vorher zu kennen? Nein, aber ich gebe zu ganz kurz verunsichert zu sein. Und ich glaube ich kann ganz gut hinstehen und für meine Überzeugungen und Einstellungen einstehen, aber ich merke eben auch, dass es vielen nicht gelingt sich zu distanzieren und die Aggressivität in Wort und Sprache unter den Eltern (meist Müttern) doch zugenommen hat. Ein Grund übrigens warum ich Babyschwimmen und sonstige Kurse immer gemieden habe und das mit meinen Kindern einfach in Eigenregie unternommen habe – geht komischerweise auch. Kommen wir auf das Thema lesen zurück. Meine Kinder lieben Bücher. Egal ob bunt ob alt oder neu, ob groß oder klein. Bücher liegen bei uns überall rum, Bücher kann man ansehen, lesen, man kann sie fühlen und sogar riechen. Wir verfolgen mit dem Zugang zu Büchern für unsere Kinder übrigens kein Ziel. Die Großen wurden mit 5 eingeschult, hat sich so ergeben und war eine gute Entscheidung. Wenn die Kleine mit 7 geht ist das auch ok und mir total egal. Aber ich sehe Bücher tatsächlich als etwas sehr wertvolles an, aber beim Vorlesen geht es meiner Meinung nach um etwas ganz anderes. Bücher verbinden. Das gemeinsame lesen oder ansehen eines Buches ist eine wertvolle Zeit. Für die Kleinsten etwas im Buch wieder zuerkennen eine riesige Leistung auf die sie sehr stolz sind. Die ersten selbst gelesenen Zeilen sind ein Meilenstein. Meine Kinder haben auch durch das Vorlesen sprechen gelernt. Und ganz ehrlich, da steh ich doch nicht hin und interpretiere vorher stundenlang Pixibücher ob diese nun genderkonform geschrieben, die Farben realistisch und das Thema adäquat ausgesucht ist. Nein, ich lese. Und ich beobachte meine Kinder und versetze mich in diese hinein. Merke ich, dass ein Märchen der Gebrüder Grimm im Original Fragen auslöst, dann reden wir drüber. Das empfinde ich als Bereicherung. Das wird mir genommen wenn ich mich gar nicht erst drauf einlasse. Meine Kinder lieben den Struwwelpeter. Warum sprechen wir auch den Kleinsten schon die Kompetenz ab sich mit Gut und Böse auseinandersetzen zu können? Warum begleiten wir sie so selten und selektieren viel lieber vor? Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass es wichtig ist gemeinsam zu lesen. Also lasst Euch nicht verunsichern und lest!

Keine Ahnung ob der Artikel Werbung enthält weil Titel genannt werden – ich schreib es lieber dazu…

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